Aktuelle Predigt

Hl. Basilius der Grosse. Aus der ersten Homilie über das Fasten
 
1 Laßt die Trompeten erschallen, heißt es, zum ersten Tag des Monats, zum freudvollen Tag eures Festes (Ps 80,4). So gebietet der Prophet. Für uns aber erschallen lauter als alle Trompeten, freudvoller als alle Musikinstrumente, die Lesungen, die uns das bevorstehende Fest der Fastenzeit ankünden. Isaiah läßt uns die Gnade des Fastens erkennen, da er die jüdische Art des Fastens verwirft und uns zeigt, was wahres Fasten ist. "Fastet nicht unter Anklagen und Streit", sondern "löst jede Fessel der Ungerechtigkeit" (Is 58,4/6). Und der Herr Selbst sagt: "Wenn ihr fastet, seid nicht mürrisch... sondern wasche dein Gesicht und salbe dein Haupt" (Mt 6,16-17). Stimmen wir uns mithin so ein, wie man uns lehrt, seien wir nicht mürrisch wegen der kommenden Tage, sondern begrüßen wir sie frohgemut, wie es sich ziemt für Heilige. Kein Widerwilliger wird bekränzt, kein Trübsinniger erringt den Siegespreis. Sei nicht verdrießlich, weil du geheilt wirst. Es ist absurd, sich nicht zu freuen über die Gesundheit der Seele, sondern sich zu betrüben wegen des Nahrungswechsels und dem Genuß des Bauches offenkundig mehr Wert beizumessen als der Pflege der Seele. Sättigung beschränkt den Nutzen auf den Magen, Fasten aber hebt ihn empor zur Seele. Freue dich, dass der Arzt dir ein Heilmittel gibt, um die Sünde zu beseitigen. Denn so wie die Würmer im Gedärm der Kinder durch gewisse starke Arzneien zum Verschwinden gebracht werden, so wird die Sünde, die sich in der Tiefe der Seele eingenistet hat, hinweggetilgt durch jenes Fasten, das seinen Namen wirklich verdient. ...
 
 
10. Begrenze (...) die Wohltat des Fastens nicht auf die Enthaltung von Speisen allein. Denn wahres Fasten bedeutet Zurückweisung des Unguten. "Löse jede Fessel der Ungerechtigkeit" (Is 58,6). Vergib dem Nächsten, womit er dich betrübt hat. Erlaß ihm seine Schulden. "Fastet nicht unter Anklagen und Streit" (Is 58,4). Du ißt kein Fleisch, frißt aber den Bruder. Du enthältst dich von Wein, aber hältst dich nicht zurück von Beschimpfungen. Du wartest bis zum Abend, um Speise zu dir zu nehmen, verbringst aber den ganzen Tag vor Gerichten. "Wehe denen, die betrunken sind, doch nicht von Wein" (Is 28,1 / 51,21). Der Zorn ist eine Berauschung der Seele, die sie den Verstand verlieren läßt, genauso wie der Wein. Auch die Trauer ist eine Art von Rausch, denn sie bringt die Vernunft zum Untergang. Angst ist eine weitere Art von Trunkenheit, wenn sie einen dort überwältigt, wo sie nicht sollte. Befreie meine Seele von der Angst vor meinem Feind (Ps 63,2). Und so kann gemeinhin jede der Leidenschaften, die das Denken verstört und in Wirrsal stürzt, zu Recht als Betrunkenheit bezeichnet werden. Sieh wie der Zornige berauscht ist von der Leidenschaft. ...
 
 
11. (...) Willst du die Würde des Fastens sehen? Vergleiche den heutigen Abend mit dem morgigen, und du wirst sehen, wie die Stadt von Tumult und Durcheinander hinübergeht in tiefe Ruhe. Ich bete dafür, dass auch der heutige dem morgigen ähnlich werden möge an Würde und dass der morgige dem heutigen nicht nachstehe an Freudigkeit. Und der Herr, Der uns in diese Jahreszeit geführt hat, möge uns gewähren, nachdem wir in den Vorkämpfen wie rechte Athleten die Beständigkeit und Entschlossenheit unseres Vorsatzes erwiesen haben, auszuharren bis zum Haupttag der Bekränzung, jetzt zur Erinnerung an die erlösende Passion, im künftigen Äon aber zur Belohnung jener von uns, die ihr Leben geführt haben mit Blick auf das gerechte Gericht Christi, denn Ihm gehört die Herrlichkeit in die Ewen. Amen.
 
 

Hl. Basilius der Grosse